Weit-Wanderer

Sollte ich eine Kultur benennen, die mich besonders beeindruckt – es wären die Chinesen. Die haben sich schon Gedanken über das Leben gemacht, als die Germanen noch in Laubhütten hausten. Eine ihrer Weisheiten gefällt mir besonders gut: „Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“ Das hat mich überzeugt – und treibt mich immer wieder weit weg.

Zum Beispiel zu Erstbefahrungen von Wildflüssen im schwedischen Sarek-Nationalpark (1979), der ersten Querung der Pyrenäenkette vom Atlantik zum Mittelmeer (1982, lange vor Hape Kerkeling) und auf den kältesten Berg der Welt (Mt. McKinley, Alaska, 6193 Meter, 1985).

Die Ziele sind näher gerückt, die Erlebnisse aber ähnlich intensiv geblieben. Vor allem, seit ich sie mit anderen teile. Zum Beispiel auf der 12-Stunden-Wanderung in der Osternacht (2014-2016), bei der 13-Stunden-Pilgerwanderung auf dem Rheingauer Klostersteig (ab 2017), beim 42-km-Wispertaunus-Marathon (2015 + 2016), während der 24-Stunden-Wanderung „Rheinsteig pur“ (seit 2011) und auf der einzigen geführten 36-Stunden-Wanderung, die es bis dato in Deutschland gibt: „Rheinsteig ultra“ (seit 2014).

Dazwischen darf es dann gern wieder was Hochtrabendes sein. Zum Beispiel das Matterhorn, das ich mir zu meinem 60. Geburtstag gegönnt habe. Und das Weißhorn im Wallis, mit dem ich 2016 den letzten der 44 Viertausender der Schweiz bestieg, der noch in meiner „Sammlung“ fehlte. Alle Touren haben eines gemeinsam: Sie sind, wie Bergsteigen, absolut überflüssig und ohne Sinn. Und machen vielleicht gerade deswegen so viel Spaß. Nicht nur mir, bestimmt auch Dir.

Worauf wartest Du noch, starten wir.

Zwei Weitwanderwege gefallen mir besonders gut: der Rheinsteig (rechtsrheinisch von Wiesbaden bis Bonn) und der RheinBurgenWeg (linksrheinisch von Bingen bis Remagen). Welcher der schönere ist? Such Dir einen aus. Ich nehme beide.