Schön war’s … bei der Krimitour in Geisenheim

Leila liest am Kläuserwegdenkmal

 

Kann man aus Ammoniumphospat, Zymol, Pottasche, Glyzerin, Zitronensäure, Weinsäure und Weinzucker Wein machen, der nicht den Saft einer einzigen Traube enthält? Man kann, wie Teilnehmer der Krimiwanderung rund um den Geisenheimer Rothenberg am zweiten Sonntag im Januar von Kultur- und Weinbotschafter Wolfgang Blum erfuhren.

Was man dazu braucht, ist nicht nur jede Menge Wasser, sondern vor allem kriminelle Energie. Die hatte der Geisenheimer Valentin Korn Mitte der 1950er Jahre. Sein Kunstwein erwies sich nicht nur als trinkbar, sondern auch als analysenfest. Und er schmeckte, wie gute Bewertungen bewiesen; sogar in Bonner Regierungskreisen prosteten sich Gäste der Republik mit gepanschtem Korn-Wein zu.

Die (wahre) Geschichte um das Geisenheimer Original bildete den Auftakt zur Krimitour, bei der die iranisch-deutsche Autorin Leila Emami uns die (erfundene) Geschichte der Geisenheimer Ganovinnen vorlas: An vier Stellen (Rothenberg, Kläuserwegdenkmal, Schnakenbrücke und Schönbornschau Au) spann sie den Faden, mit dem Gerti und Rosi ihren Hein umgarnten – und töten wollten.

Doch wie alle Krimi-Komödien von Leila ging auch diese Geschichte gut aus – außer für die Ganovinnen, die hinter Gitter kamen. Dies erfuhren die Teilnehmer der Tour allerdings erst gegen Schluss, als die rote Abendsonne in den Fluten des Rheins versank und schneidend kalter Ostwind die Sehnsucht nach einem Glühwein am Geisenheimer Weinprobierstand schürte.

Dort angekommen, zeigten sich die Krimiwanderer überrascht von dem, was ihnen zuvor geboten wurde: ein Weinpanscher mit Humor, eine iranische Autorin mit Rhoigauer Platt, die schönste Weinsicht des Rheingaus auf dem Rothenberg, eine Insel, die viele Jahrzehnte keine war – und eine Geschichte, die nicht nur spannend, sondern vor allem lustig daherkam. Kurz gesagt: eine tolle Tour.