Schön war’s … auf dem Klostersteig im Herbst

Dass der Sturm in der Nacht zum 1. August kräftig wütete, das wussten sie – doch dass er regelrechte Schneisen im Hang der Hallgarter Zange freifegte, das hatten sie so nicht erwartet. Der Orkan, der in dieser Nacht in unserer Region mehr als 100.000 Festmeter Holz niederwarf, rückte unvermittelt in den Mittelpunkt der letzten Tour der Klostersteigtrilogie.

„Was wir sehen, wird uns Demut lehren“, hatte Wolfgang Blum den Pilgerwanderern bei der Begrüßung am Bahnhof in Mittelheim prophezeit. Sie freuten sich auf die abwechslungsreiche Strecke durch die Weinberge an Schloss Vollrads vorbei bis zum Ruhepunkt Honigberg in den Winkeler Weinbergen, wo die Wanderer auf den Klostersteig stießen.

Die Schweigeminute am Abzweig zum (derzeit noch unpassierbaren) Pfingstbachtal, das Chaos der entwurzelten, zerfaserten, geborstenen und abgebrochenen Bäume knapp unterhalb der Hallgarter Zange sowie der spirituelle Stopp am Wegetreffpunkt Unkenbaum bleiben sicher ebenso lange in Erinnerung wie der herrliche Blick über den Steinberg hinweg ins sonnenüberflutete Rheintal.

An der großen Einstiegstafel am Parkplatz in Eberbach – eigentlich der Einstieg zur langen Pilgertour – gab es endlich den ersehnten Stempel im Pilgerpass. Alle Wanderer, deren Pass nun sechs Stempel vorwies, erhielten ein Eberbacher Kreuz als „Belohnung“. Es erinnert sie fortan daran, dass man nicht unbedingt bis nach Spanien fliegen muss, um den Weg zu sich selbst zu finden – der Klostersteig macht dies auch im Rheingau möglich.

Gewaltige Holzstöße künden vom Ausmaß der Orkanschäden.

Gewaltige Holzstöße künden vom Ausmaß der Orkanschäden.